Sep 252011
 

Ungarn! Nach einer recht eintönigen Fahrt in der Südslowakei war ich froh zur Ungarischen Grenze zu kommen. Dort, das wusste ich, würden ein paar Berge die Landschaft abwechslungsreicher gestalten. Ausserdem kenne ich dort Leute, bei denen ich mich ein bisschen erholen können würde.

Wie würde Ungarn sein? Seine Regierung wird ja z.T. kontrovers diskutiert. Wie sind die Menschen dort? Ist das ganze Land voller Nationalisten, wie das ja gerne bei uns in den Medien behauptet wird? Würden sie mich akzeptieren? Ich ging mal nachschauen…

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Ungarn, von der Slowakei aus betrachtet. Der Fluss ist die Donau, im Hintergrund sieht man die Basilika von Esztergom.

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Hier noch einmal die Basilika aus der Nähe

Da machte ich mich auf die Suche nach dem Donauradweg. Eine Suche, die sich als komplizierter herausstellen würde als gedacht, denn der Weg ist gut versteckt und miserabel ausgeschildert. So können ihn letztlich nur die Bewohner nutzen. Einmal gefunden jedoch ist er gut befahrbar und allemal besser als die Hauptverkehrsstraße, über die ich mich am ersten Tag quälte.

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Dies ist mein Freund Peter. Er war mein erster Stopp in Ungarn. Er ist ein aufstrebender Mitarbeiter im Ungarischen Aussenministerium. Jeden morgen verlässt er deshalb piekfein das Haus. Wir kennen uns von unserer Erasmus-Zeit in Frankreich. Wir waren dort gut befreundet. Bei ihm blieb ich erstmal 5 Tage um mich ein bisschen auszuruhen.

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In Budapest versuchte ich meinen alten Freund Bela zu treffen. Wir verpassten uns nur knapp am Treffpunkt (zu der Zeit war mein Handy leer). Ich wartete ein bisschen und kam mit diesem Pärchen aus Budapest ins Gespräch, die gerade einen Abendspaziergang machten. Sie ist Rechtsanwältin und er ist Sales-Manager bei einem Sportartikelhersteller (kann man vielleicht im Bild erkennen). Wir hatten alle noch nichts gegessen und so luden sie mich zum Essen in ein Restaurant ein. Ein Abend mit einer überraschenden Wendung.

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Bei Budapest teilt sich die Donau in zwei Ströme, so dass eine ca. 25 km lange Insel entsteht. Auf dieser Insel sind die Dörfer noch geradezu unberührt, und auch das Wetter konnte sich wieder sehen lassen.

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Ein Sonnenuntergang von der Wohnung Peters aus. Unten sieht man die Lichter der Stadt.

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Ein Abschiedsfoto darf natürlich nicht fehlen.

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Eine Werbetafel steht leer. Mag auch in Deutschland das Leben während der Wirtschaftskrise 2008 weitestgehend unberührt weitergegangen sein, sieht man ihre Spuren in Ungarn überall. Große Geschäfte stehen leer, die Menschen sind überschuldet und niemand hat mehr Geld Werbung zu kaufen.

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Der Himmel schien zu explodieren während dieses Sonnenuntergangs auf dem Weg nach Kesckemét.

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In Kesckemét traf ich András, den ich über Couchsurfing kennengelernt hatte. András ist Polymer-Physiker und meldet gerade sein erstes Patent an. Am ersten Abend nahm er mich mit in ein Restaurant, wo eine Platte für zwei Personen serviert wurde, die locker für vier Personen gereicht hätte. Am nächsten Morgen war mir noch ganz übel davon als er mich zum Frühstück mitnahm einen Langos zu essen. Ungarn essen gerne fettig.

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Diese beiden freundlichen Damen betreiben die kleine Hütte, wo wir die Langos kauften. Offensichtlich kosten sie nicht häufig von ihrem eigenen Essen. Auf die Frage woher ich käme und wohin es gehe schenkten sie uns beide einen Tee.

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Die nächste Station war Szeged. Szeged ist eine Studentenstadt. Gelegen an der Tisza (Theiß) ist sie eine der schönsten Städte Ungarns. Hier sieht man das Innere ihres prächtigen Doms, wo gerade ein Orchester probte als ich das Gebäude betrat. Für den Anfang kein schlechter Proberaum, nicht wahr. Die Akkustik war umwerfend.

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Die Ungarn lieben ihre Autos.

In Szeged hatte ich vergeblich versucht eine Bleibe bei jemanden zu finden. Deshalb hat András aus Kecskemét seinen Freund Tamas aus Szeged gebeten mich für eine Nacht aufzunehmen. Da András am nächsten Tag wegen seines Patents in Szeged zu tun hatte ist er ebenfalls dorthin gekommen. Tamas ist ein sehr charismatischer Geschäftsmann mit einer großen Vorliebe für guten Wein und schönen Frauen. Letzteres wird in Ungarn übrigens auch immer gerne betont. Die beiden planten am nächsten Tag nach Szegszard zu fahren, eine berühmte Ungarische Weinstadt. Dort fand das alljährliche Weinfest statt. Selbstverständlich war ich daraufhin spontan auch mit eingeladen. Eine Unterkunft wurde schnell organisiert und da ging es schon los.

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Die Unterkunft lag gut versteckt in den Wäldern um Szegszard. Dieses Foto habe ich gemacht, um es später dem Taxifahrer zeigen zu können, da ich mir den Namen des Ortes einfach nicht merken konnte.

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Der Wein, die neuen Freunde, einfach alles war hervorragend.

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Ein paar Gläser später...

Die Qualität der Weine zeigte sich am nächsten Tag, als ich zwar noch unglaublich betrunken war, aber nicht die Spur eines Kopfschmerzes hatte. Trotzdem brauchte ich noch den ganzen Tag um wieder zu mir zu kommen.

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Am Abend schaffte ich es dann tatsächlich meinen Kumpel Bela zu treffen, den ich in Budapest verpasst hatte. Er ist extra für mich von Budapest noch nach Szeged herunter gefahren. Eine rührende Geste. Wir setzten uns hier an das Ufer des Flusses, tranken Wein, aßen Käse und hatten uns nach den vier Jahren, in denen wir uns nicht gesehen hatten natürlich viel zu erzählen.

Die Ungarn waren mir in der kurzen Zeit ungemein ans Herz gewachsen. Sehr stolz auf ihre Geschichte und darauf, „Ungar“ zu sein, waren alle überaus freundlich. Mit ein paar Wörtern Ungarisch öffnete sich einem als Fremden Tür und Tor. Es wurden keine Kosten und Mühen gescheut einem nur die besten Seiten des Landes zu zeigen. Es war fantastisch.

Am nächsten Morgen brach ich früh auf zur Rumänischen Grenze. Ein langer Tag stand mir bevor, voller Ungewissheit. Was würde in Rumänien auf mich warten? Ich war noch nie dort gewesen, und gewisse Vorurteile halten sich hartnäckig. Ich war gespannt.

Doch davon mehr im nächsten Post. Bis dahin alles Gute,
Johannes Bondzio

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