Feb 062012
 

Bereits kurz vor Tabriz traf ich die Emily. Emily kommt aus Wales und radelt gerade um die Welt. Wir hatten die gleiche Strecke vor uns, deshalb fuhren wir ab jetzt für ein paar Tag zusammen. Emily ist eine starke Frau. Wir verstanden uns sehr gut. Es ist fast, als gehörten alle Tourenradler einer größeren geistigen Gemeinschaft an. Wenn immer man einen Radler in einem fremden Land trifft, entsteht sogleich ein Gefühl der Brüderlichkeit.

Auf der Suche nach einer Bleibe für die Nacht in Tabriz trafen wir den Sina auf der Straße. Er hat mir nach einigem Herumtelefonieren in der ersten Nacht eine Bleibe bei einer Familie besorgt.

Dies ist Sina. Er hat ein ehrgeiziges Projekt. Er will mit dem Fahrrad einen 'Friedensteppich' zu den Olympischen Spielen in London bringen. Unsere strenge Visapolitik macht ihm jedoch dabei zu schaffen. Weiss jemand vielleicht wie man dabei helfen kann? Hinweise gerne an mich: j.bondzio at web.de

Mit dem Sina besuchte ich das schöne Dörflein Kandovan am Fuße eines Vulkans. Diese Kinder spielten auf der Straße.

Nachmittags besuchten Emily und ich gemeinsam den tollen Basar in Tabriz.

Auf dem Basar geht es hektisch zu. Wie ein Pinnball wird man von Menschen und Karren mit Waren hin und her getrieben. Fantastisch.

Dies ist die Familie des Hossein (mit Besuch der Nachbarn in der Mitte), die mich freundlicherweise für zwei Nächte in Tabriz aufgenommen haben. Muslime betrachten Gäste buchstäblich als einen Segen Gottes. Es hätte mir dort nicht besser gehen können.

Nach einem Ruhetag ging es früh morgens ausgeruht weiter. Die Proviantbeschaffung an diesem Morgen war kurios:

Ein Brot (sog. Sengek), so groß wie die Emily.

Der Säulengang der Blauen Moschee in Tabriz.

Das Wetter war die ersten beiden Tage diesig und kalt. Gerade in den Nächten fiel das Thermometer empfindlich auf unter -10 Grad. Die Moral hat es uns trotzdem nicht genommen. Im Gegenteil.

Nach zwei Tagen trafen wir dann tatsächlich noch einen dritten Radler: den Ben aus Belgien. Ab da formten wir eine richtige Roadtrain.

Ben war ein intelligenter Kopf, der nach einigen Jahren IT-Arbeit die Schnauze voll hatte und jetzt von Belgien aus runter nach Australien fährt.
Zu dritt fuhren wir weiter bis zum kleinen Ort Soltaniye, wo dieses Prachtstueck persischer Kultur steht:

Der Dom von Soltaniye. Er ist nach dem Dom von Florenz und der Hagia Sophia in Istanbul der drittgrößte Ziegeldom der Welt.

Er steht auf der Liste des UNESCO Weltkulturerbes und wird gerade von Innen aufwendig restauriert.

In Soltaniye sollten sich die Wege von Emily und Ben und mir trennen. Emily würde weiter nach Süden fahren, während Ben und ich weiter nach Teheran fahren würden. Bevor es jedoch weiterging geschah ein Malheur:

Dieser Platte sollte sich noch zu einem Drama mittleren Ausmaßes entwickeln.

Es fing alles mit dem Platten an: Nach dem Mittagessen in Soltaniyeh merkte ich, dass ich zu wenig Luft im Hinterreifen hatte. Ganz schön doof, denn durch die Flickerei würde nicht nur ich, sondern auch die beiden aufgehalten. Als der Reifen geflickt war, geschah es jedoch: Beim Festziehen des Pitlock-Systems der Hinterachse brach der Achsspanner zur Befestigung der Hinterachse ab. Dadurch hatte mein Fahrrad erstmal kein Hinterrad mehr.
Der Schock war groß: woher sollte ich in diesem besanktionierten Land Iran so schnell ein passendes Ersatzteil hernehmen? Der Fahrradhändler vor Ort hatte jedenfalls keinen. Zum Glück fand sich bald ein netter Mann, der mir half. Wir fuhren in zurück nach Zanjan. Dort fand sich dann zum Glück bald das gesuchte Teil. Die Erleichterung war groß.
Die Reparatur ging schnell, jedoch war es schon spät Nachmittags geworden. Damit war es zu spät zum weiterfahren. Der freundliche Mann erbot sich daraufhin uns drei für die Nacht bei sich zu beherbergen (Ben und Emily waren tatsächlich so nett und hatten auf mich gewartet). Das war unser Glück im Unglück, denn diese Nacht war die mit Abstand kälteste bisher. Unsere Räder waren am nächsten Morgen wie festgefroren.

Ab diesem Tag waren Ben und ich zu zweit. Viel Zeit für Gespräche unter Männern.
Der Weg nach Teheran war ziemlich straightforeward. Immer schön an der Straße entlang. Der Rückenwind machte die Sache einfach. Emily fuhr ab jetzt durch die Berge nach Hamadan. Sie hatte es wesentlich schwieriger.
Trotz unserer leichten Strecke war es jedoch nie eintönig.

Wegmarken dieser Art stehen an allen größeren Eingängen zu Städten.

Ein tropfender Wasserturm hat bei dem kalten Wetter sich selbst und den Baum neben sich gleich mit vereist.

In Qazvin verluden wir unsere Fahrräder in einen Schulbus, der uns nach Teheran rein fuhr. Dies erbot sich einerseits, da mich in Teheran an dem Tag Freunde erwarteten und ich durch die Geschichte mit dem Platten einen Tag verloren hatte. Andererseits sollte der Verkehr in Teheran ganz schlimm sein. So etwas möchte man sich als Radler wenn möglich ersparen.

Es sollte sich als eine kluge Entscheidung herausstellen,
euer Johannes Bondzio

  One Response to “Von Tabriz bis Teheran”

  1. Hallo,

    schöne Bilder. Tolle Tour. Überlege mir auch gerade für 6 Wochen in den Iran zu fahren.

    Alles Gute und beste Grüße

    Jens

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