Mar 082012
 

Der Winter ist fast vorüber, die Sonne kommt immer öfter raus, die Vögel zwitschern… Da bekommt man wieder Lust zum Fahrradfahren, nicht wahr? Es ist kein Zufall, dass Frühjahr und Sommer die Hauptsaison der Fahrradhändler sind. Viele strömen nun in die Geschäfte, um ihr Rad überholen zu lassen oder sich gleich ein Neues zu kaufen.
Ähnliche Gedanken beschäftigten mich vor einem Jahr, als es für mich darum ging, das passende Reiserad für diese Reise auszusuchen. Ich habe mich letztlich dafür entschieden, mein Rad mir selber zu bauen. Von den Gründen zu diesem Schritt und seinen Vorteilen soll dieser Artikel handeln. In einem bald erscheinenden zweiten Artikel möchte ich dann einige Tipps und Hinweise zum Selberbau geben.

On Building a Bike

Reiseräder sind heutzutage in vielen Varianten und Preislagen erhältlich. Die meisten Reiseräder kommen fahrbereit aus der Werkstatt. Wer die passende Summe Kleingeld hat, kann sich das Fahrrad im Grunde aussuchen und darauf losfahren.
Dies ist einfach und komfortabel – auf den ersten Blick. Wer genauer überlegt, erkennt jedoch schnell die Vorteile, die eine alternative Art des Erwerbs des Reiserads bietet: der Eigenbau.

Vor etwa einem Jahr befand ich mich mitten in der Planungsphase zu der Reise, auf der ich jetzt bin. Der Wahl des Fahrrads kam dabei eine zentrale Rolle zu. Viele Angebote wurden verglichen. Preise und Qualitäten abgewogen.

Reiseräder sind leider teuer. Dies erklärt sich aus den hochwertigen Komponenten, die in ein Reiserad verbaut werden müssen. Es muss nämlich hohen Belastungen widerstehen, denen es während der Reise ausgesetzt ist. Um den Preis zu drücken, werden von manchen Anbietern an ihren eigentlich hochwertigen Rädern Teile verbaut, für die es bessere Alternativen gibt.
Man hat also die Wahl, entweder viel Geld für ein Top-Rad auszugeben, oder einen Kompromiss einzugehen zwischen Preis und Qualität.

Ich habe den Gedanken nicht gemocht, mit einem suboptimalen Rad auf die Reise zu gehen, dass mich wohl möglich im entscheidenden Moment im Stich lässt. Lange erwog ich hin und her, und gegen Ende war ich schon fast so weit, für viel Geld ein teures Rad zu kaufen.

On Building a Bike

Aber das muss nicht sein! Zum Glück gibt es einen dritten Weg, mit dem sich die Idee vom guten Fahrrad realisieren lässt: Der Eigenbau. Er bietet mehrere Vorteile, die hier zunächst dargelegt werden sollen.

Der Grund, der wohl am meisten einleuchtet ist: Man spart Geld! Der Zusammenbau des Fahrrads braucht Arbeitskraft, die in dem Preis des fertigen Rads des Händlers einkalkuliert ist. Indem man sich selber das Rad baut, spart man dieses Geld. Das sind bei einem Reiserad gerne 200 – 300 € Ersparnis. Dieses Geld kann man entweder dem Reisebudget zuführen, oder es in hochwertigere Komponenten stecken.

Zweitens: Man ist frei in der Wahl der Teile. Man kann genau die Komponenten verwenden, die man sich wünscht, und muss keine Kompromisse irgendwelcher Anbieter hinnehmen. Man weiß genau, weshalb dieses Teil dort am Rad verbaut ist, und kein anderes.

Drittens: Beim Zusammenbau gewinnt man technisches Geschick und Einsichten über die Funktionsweise des Fahrrads.
Man weiß danach, wie fest z.B. die Schrauben anzuziehen sind, wie man eine Bremse richtig einstellt, und wie die Gangschaltung funktioniert. Vor allem sieht man bald ein, dass ein Fahrrad und sein Zusammenbau nicht so kompliziert sind, wie es am Anfang scheinen mag.

Diesen Punkt halte ich mittlerweile für den wichtigsten für die Reise selber. Man hat das Fahrrad zusammengeschraubt, also weiß man auch, wie man es richtig einstellt, falls es mal nicht mehr ganz so sauber läuft wie am Anfang. Ein Rad kann (und wird!) immer mal blöd umfallen. Ein unzerstörbares Rad ist noch nicht gebaut worden. Im Schadensfall (der sicher irgendwann kommt) ist der Schaden nun schnell lokalisiert und behoben.
Dieses Wissen ist Gold wert! Es gibt einem Zuversicht und Selbstvertrauen bei der Fahrt in fremden Gegenden.

Es gibt zum Stichwort Zuversicht und Selbstvertrauen noch einen weiteren Punkt: Indem man sein Fahrrad selber baut, verlässt man seine Rolle als bloßer Konsument in der Masse und wird zum aktiven Konstrukteur. Man emanzipiert sich, man löst einen Teil seiner Abhängigkeit von der Wirtschaft selbst.

On Building a Bike

Zu guter Letzt erfüllt einen das Wissen ein Fahrrad selber zusammen gebaut zu haben mit Stolz. Es ist ein echtes Erfolgserlebnis!

Euer Johannes Bondzio