Mar 102012
 

Bei Einbruch der Dunkelheit kam ich in Shiraz an. Ich hatte die Nummer von der Marjan und dem Mehdi, die mich in Shiraz bei sich beherbergen würden. Marjan hatte mich bereits in Esfahan über Couchsurfing angeschrieben. Sie fährt gerne selber Fahrrad und habe die besten Erfahrungen mit Tourenradlern gehabt, die sie bei sich beherbergt habe. Ob ich nicht auch bei ihnen übernachten wolle. Natürlich wollte ich. Eine solche Einladung kann man wohl nur in diesem Land erhalten.

Sportlich gekleidet kam das Ehepaar an dem Abend, um mich mit dem Fahrrad abzuholen. Seit Ankara hatte ich keine Frau mehr Fahrrad fahren gesehen. Es sollte bei ihr nicht das letzte Mal sein, dass ich bei dieser Frau „Das ist das erste Mal, dass…“ sagen würde.

In Shiraz konnte ich endlich ein wenig entspannen. Marjan ist ein hervorragender Koch, und ich genoss die warme Dusche und die Ruhe, die in ihrem Apartment herrschte. Zwei Tage lang verließ ich praktisch nicht das Haus. Wenn doch, dann nur um irgendwo ruhig und schön einen Tee zu trinken.

Die „Big Ticket“ Touri-Attraktionen in Shiraz hatte ich mit Naqsh-e Rostam und Persepolis schon gesehen. Shiraz selber hat gar nicht so viel zu bieten. Die Sights, die ich gesehen habe, waren alle nur wenig interessant. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich nach Esfahan und Yazd bzgl. Sightseeing einfach ein wenig verwöhnt und übersättigt war.

Bei der Besichtigung der Vakil-Moschee sah ich diesen jungen Mann. Er ist Ingenieurstudent der hiesigen Uni und hatte als Auftrag von seinem Prof bekommen ein Gebäude zu skizzieren.

Der schönste Ort Shiraz ist wohl das Grab Hafez's. Hafez ist der berühmteste Persische Dichter. Ströme von Menschen pilgern zu seinem Grab um diesem Nationalhelden an seinem Mausoleum zu huldigen. Seinen Gedichten wird wahrsagerische Kraft zugesprochen: Man nehme ein Buch mit seinen Gedichten, und schlage an seinem Grab eine Seite zufällig auf. Dieses Gedicht hat dann eine bestimmte Bedeutung für einen. Hatte leider kein Buch zur Hand.

Das Grab selber ist ein herrlich ruhiger Ort mit Bäumen und Wasser, an dem Musik spielt.

Nach gut 6500km auf der Reise gingen langsam die Nähte von meiner vielbeanspruchten Radelhose auf. Die konnte ich jetzt in aller Ruhe ausbessern.

Es gibt ein Nationalgericht in Iran, es heißt Kale Patsche. Es besteht aus gekochtem Schafskopf. Der Name heißt soviel wie Kopf und Fuß. In das Gericht kommt wirklich der gesamte Kopf: Zunge, Hirn, Augen, Haut. Einfach alles. Der Geruch ist nicht schlecht, aber eigenartig. Seit dem Beginn vom Iran hatten mir die Menschen davon vorgeschwärmt, wie gut es sei. Ich hatte immer dankend abgelehnt, im Gedanken daran, woraus es besteht. Hinzu kommt, dass man es gewöhnlich zum Frühstück isst. Auf nüchternen Magen.

Kale Patsche polarisiert: Mehdi ist ein großer Fan dieses Gerichts, die Marjan hasst es. Mit ihrer Sondergenehmigung gab es das Essen dann früh morgens um halb sieben, bevor es für Mehdi zur Arbeit ging.

Da hieß es im wahrsten Sinne: Augen zu und durch. Man darf nicht soviel darüber nachdenken. Dann stellt man fest: Tatsächlich, jeder Bissen schmeckt anders. Nicht schlecht, aber ich war froh, dass ich es runter hatte. Nur den Fetzen Haut habe ich liegen gelassen. Mutprobe bestanden!

Lichterketten werden oft zu den Farben der Iranischen Flagge kombiniert.

Marjan im Fenster eines Kaufhauses.

Ich blieb bei den beiden zwei Tage länger als geplant. Wohl ein Zeichen, wie gut es mir bei ihnen gefiel. Am letzten Tag unternahmen wir gemeinsam eine schöne Radtour zu einem nahe gelegenen Salzsee. Von dort aus trennten sich unsere Wege. Sie fuhren zurück in die Stadt, ich fuhr weiter Richtung Süden. Das Wetter war gut, aber leider sollte es sich nicht so halten.

Ein Werbeträger. Im Hintergrund sieht man bereits die dunklen Wolken, die am nächsten Tag Regen bringen sollten.

Ich campte an diesem Abend unterhalb des letzten Pass von 2000 Metern. Am nächsten Tag überquerte ich ihn, begleitet von immer heftiger werdenden Windstößen und kurzen Schauern. Als ich in Firuzabad ankam, radelte ich in strömendem Regen. Kombiniert mit dem Gegenwind macht das keinen Spaß. Ich fragte also bei einem Hof an, ob ich in der Nähe zelten könne. Das käme überhaupt nicht in Frage. Ich solle gefälligst bei dem Wetter hereinkommen.

Ich betrat ein geschmackvoll eingerichtetes Haus. Es wurde Tee gereicht. Die Frau, sie heißt Mira, sprach gutes Englisch. Nach einiger Zeit wurde ich vor den Fernseher gesetzt, und stolz wurde mir gezeigt, dass sie RTL per Satellit empfangen konnten. Dort lief gerade DSDS Staffel dreitausendvierundzwanzig. Um nicht unhöflich zu sein, stellte ich das Gequassel von Dieter Bohlen einfach leiser und las in meinem Buch.

Mira malt gerne und hat diese beiden Variationen auf die alten persischen Motive selber gemalt.

Die Hündin des Hofes hat vor einer Woche einigen Welpen das Leben geschenkt.

Am nächsten Morgen war der Regen verschwunden. Die Luft war klar und Sonne strahlte so gut sie nur konnte. Da konnte ich sehen, was mir tags zuvor durch den Regen verborgen blieb: Wie schön dieses Tal nämlich eigentlich war!

Bei meinen Dehnübungen nach einigen Kilometern am Straßenrand wurde ich von einem gut gelaunten Mann von der Straße rangewunken und zum Tee eingeladen. Es wurden sich gegenseitig Familienfotos gezeigt. Von der Großmutter und ihrer farbigen Tracht hinten hätte ich stundenlang Bilder machen können.

Bei Mohammed stellte sich heraus, dass der Pass, den ich den Tag zuvor überquert hatte, in der Nacht zugeschneit worden war. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt!

Die Geologie hier im Süden Irans ist bemerkenswert. Alle Berge sehen so aus, als sei die Erdkruste aufgebrochen und zur Seite gekippt. Zwischen den Bäumen führten Nomaden ihre Ziegenherden.

Die Landschaft war herrlich abwechslungsreich.

Die Straße schlängelte sich durch enge Täler und über viele Hügel.

Die Iranische Regierung investiert offensichtlich viel Geld in den Straßenbau. Hier waren sechs Bagger gleichzeitig am Werk um einen Durchbruch durch einen Berghang zu schaffen.

Da war es soweit: Mein Tacho zeigte 7000 Kilometer seit Berlin an. Ausgerechnet am 27. Februar, genau sechs Monate nachdem ich von Berlin aus aufgebrochen war. Sechs Monate war ich schon auf Reise. Wahnsinn.

Der Persische Golf machte sich immer mehr bemerkbar. Die Tag waren warm und in den Nächten konnte ich ohne Überzelt schlafen. Am Morgen sah ich die Sonne vom Zelt aus aufgehen.

Dies ist eine typische Zisterne der Gegend. Man sieht sie überall. Seit Jahrhunderten beziehen die Menschen hier ihr Wasser aus ihnen.

An einem der Tage, es war kurz vor Lar, machte ich Rast am Straßenrand im Schatten einer Mauer. Diese Mauer war der Sichtschutz einer dahinterliegenden Gartenanlage. Ein Mann, der gerade herauskam, bot mir an, mir diesen Garten zu zeigen. Es war ein wirklich schöner Garten, mit Zitrus- und Orangenbäumen und Dattelpalmen. Im hinteren Teil gab es einen Ziegenstall und einen Mini-Zoo, wo es Bergziegen und sogar ein Emu gab.
In diesem Garten Eden lebte, ganze allein für sich, der Hassan. Hassan arbeitet in Schichtarbeit sechs Monate mit seinen Brüdern in ihrem Geschäft in Qatar. Danach kommt er für drei Monate hier in seine Heimatstadt zurück und genießt hier in seinem Paradies die schönen Seiten des Lebens.
Er baut sich hier sein eigenes Haus. Die sechs Monate in Qatar plant er es. In den drei Monaten hier baut er es. Schritt für Schritt. Zwei Wohnzimmer (eines modern, eines traditionell) und das Bad sind schon fertig. Der nächste Teil soll die Küche sein.
Hassan war ein herrlich entspannter Typ, der seinen Weg gefunden hatte. Das merkt man sofort. Die Menschen mochten ihn, und fast immer waren Bekannte und Freunde bei ihm um zu rauchen oder einfach Hallo zu sagen.

Hassan fragte mich, ob ich nicht bleiben wolle. Ich hatte Zeit. Ich sagte zu. Ich sollte es nicht bereuen. Hassan und ich verstanden uns super.

Von meinem interessanten Aufenthalt bei ihm und der weiteren Fahrt zum Golf soll der nächste Post handeln.

Alles Gute bis dahin,
euer Johannes Bondzio

Jan 052012
 

On the road again!

Vor der Abfahrt hatte ich in Istanbul bei einer Iranischen Reiseagentur einen Letter of Invitation (LOI) beantragt. Diesen benötigt man um ein Visum beantragen zu können. Es gibt dabei zwei Optionen: entweder wählt man die Standardprozedur (7-10 Tage) oder die beschleunigte Prozedur (doppelt so schnell, dafür aber auch doppelt so teuer). Ich hatte noch Zeit bevor die neunzig Tage Aufenthaltsgenehmigung der Türkei ausliefen, deshalb wählte ich die Standardprozedur.
Nach einigem hin und her (das Geld sei zunächst nicht eingegangen) erhielt ich Anfang Dezember eine Mail von der Agentur: Aufgrund von Feiertagen und der Bearbeitungszeit im Iranischen Ministerium für Fremdenverkehr sei mit meinem Visum vor dem Jahreswechsel nicht zu rechnen. Wohlgemerkt: wenn nichts seitens des Ministeriums dazwischen käme.
Dieser Termin war zwei Wochen später, als ich eigentlich erhofft hatte das Visum zu bekommen. Sollte ich das Visum erst am genannten Zeitraum abholen können, hätte ich mich sputen müssen das Land Richtung Iran zu verlassen. Man muss nämlich das Visum an einer bestimmten Stelle in der Türkei abholen (für mich war das Ankara).
Ich verbrachte einen ganzen Tag damit, darüber nachzudenken wie weiter vorzugehen sei. Sollte ich der Agentur mehr Geld überweisen, um den Prozess zu beschleunigen? Oder sollte ich es drauf ankommen lassen? Da ich keine Erfahrung mit den Behörden hatte und mir keinen unnötigen Ärger einhandeln wollte, verwarf ich die zweite Option. Die erstere kam schon deshalb nicht in Frage, da ich argwöhnte, dass mir die Mail bloß geschickt worden sei um mir mehr Geld aus der Tasche zu locken.
Da erinnerte ich mich, dass ich schon im September aufgrund meiner Zuversicht, in Istanbul eine Arbeit zu finden, mir einen Rückflug zu Weihnachten von Istanbul aus gekauft hatte.
Hiermit eröffnete sich mir folgende Möglichkeit: Sollte ich das Rad irgendwo in Ankara für die Weihnachtszeit unterbringen können, könnte ich von Ankara aus nach Istanbul fahren und von dort aus Heim fliegen. Im neuen Jahr würde ich zurück nach Ankara fliegen, mein Visum abholen und ganz in Ruhe weiter in den Iran fahren. Damit schlug ich mehrere Fliegen mit einer Klappe: einerseits würde ich meine Aufenthaltserlaubnis für eventuelle Zwischenfälle in der Türkei erneuern können und in Ruhe in den Iran weiterfahren können. Des Weiteren würde ich Weihnachten bei meiner Familie verbringen können, ich würde Ersatzteile und Kartenmaterial von zu Hause mitbringen können, sowie für die Reise Überflüssiges (wie z.B. ein in Istanbul gekaufter Anzug) heimbringen können.
Der Rückflug von Deutschland nach Ankara war letzlich günstiger als das Porto für die ohnehin benötigten Sachen. So schonte ich ausserdem die Reisekasse.
Mein Ziel dieser Tour hieß also von nun an: Ankara. Ich hatte zwölf Tage Zeit die Stadt zu erreichen. Die Strecke Istanbul – Ankara selbst sind nur 450 km. Das entspräche ca. 5 Tage Radelvergnügen. Ich hatte also Gelegenheit in einem Bogen nach Ankara zu fahren. Dies wollte ich nutzen mir Kappadokien anzuschauen, da ich über diesen Ort schon viel Schönes gehört hatte.
Und so konnte die Reise losgehen.

Zunächst musste Istanbul entkommen werden. Garnicht so einfach bei diesem Straßengewirr! Mein Kompass erwies mir große Dienste. Einmal am Meer angekommen war die Strecke einfach. Ich fuhr bis Pendik und nahm von dort aus die Fähre nach Yalova, einem Ort am anderen Ende des Marmarameers.
Es war ein windiger Tag. Ich hatte mich aus Vorsicht schon einmal warm angezogen, mit langer Unterhose und allem drum und dran. Dieser Irrsinn wurde mir schnell bewusst. In Yalova zeigte das Thermometer in der Sonne 21°C. Ich schwitzte fürchterlich beim Steigen in die höheren Lagen. Schnell wurden die Klamotten am Straßenrand gewechselt. Eine lange Unterhose habe ich seitdem beim Radfahren nie mehr getragen.

Tea House Sensation

Eine typische Teehaus-Crew.

Am Abend des ersten Tages war ich schon in einem Teehaus vor dem herannahenden Regen gewarnt worden. Dieser hielt sich gnädig bis zum nächsten Morgen zurück. Ich hatte die Nacht in einem Olivenhain gecampt. Die ansässigen Bauern schien das nicht zu stören. Kaum hatte ich den Hain verlassen, fing es auch schon zu regnen an. Perfektes Timing.
Ein Tag Regen auf dem Rad durchweicht einen bis auf die Knochen. Am Abend (es goss immer noch in Strömen) war ich völlig durchgefroren. Beim Einbruch der Dunkelheit um halb fünf bog ich in eine Straße ein, die zu dem Dorf Küre führt. Bei der Abfahrt in das Dorf spürte ich plötzlich, dass ich einen Platten hatte. ‘Ausgerechnet jetzt’ dachte ich. So war ich gezwungen in dem Dorf zu bleiben.
Mit dem Platten schob ich das Rad die letzten paar hundert Meter ins Dorf. Am Ortseingang traf ich einen Bauern, der gerade von der Arbeit auf seinem Trekker heimkam. In meiner misslichen Lage fragte ich ihn ob er für mich einen Platz zum Zelten hätte. Er verstand mich nicht, und fing an auf mich einzureden. Als ich ihn nicht verstand, begann er, statt langsamer zu reden, lauter zu sprechen.
Ich wollte schon weitergehen, aber da fiel das magische Wort: Yemek, zu Deutsch: Essen. Die Aussicht auf ein warmes Essen nach diesem kalten Tag ließ mich die Einladung sofort annehmen. So ein Glück!

Der Bauer hieß Yakup. Er wohnte mit seiner Frau und zwei Söhnen in einem kleinen Haus, in dem nur die Stube von einem Ofen beheizt wird. Beim Essen gewöhnte sich die Familie an mich, und ich wurde eingeladen, die Nacht in ihrem Haus zu schlafen.
Nach dem Essen stellte sich mir die Frage, was mit dem Platten Reifen zu geschehen sei. Ich wollte ihn noch am gleichen Abend flicken, um am nächsten Morgen früh weiter fahren zu können. Yakup wollte jedoch nichts davon wissen. Er kenne jemanden in der nächstgrößeren Stadt, der das machen könne.
Ich unternahm eine Inspektion des Rades, musste aber einsehen, dass bei dem Wetter und der Dunkelheit eine Reparatur sehr schwierig geworden wäre. So sah ich ein, dass es besser sei Yakups Rat zu befolgen.

Families Kiddo with Cycling Glasses

Der kleine Sohn Yakups mit meiner Radelbrille.

Turkish Housewife

Dies ist die Ehefrau Yakups. Der gesamte Haushalt, vom Kochen über Wäsche bis zur Erziehung der Kinder war ihre Aufgabe. Sie hatte dabei stets ein Lächeln auf dem Gesicht.

Yakup als Ehemann übernahm die repräsentativen Aufgaben der Familie. Die erfüllte er, indem er den ganzen Abend über mit seiner lauten Stimme mit den Verwandten telefonierte.
Am nächsten Morgen wurde mein Rad samt Taschen hinten auf den Anhänger des Treckers geladen. Inzwischen hatte sich der Regen gelegt. Bloß ein starker Wind stand noch. Die Fahrt hinten auf dem Trecker sollte ein unvergessliches Erlebnis werden. Der aufreissende Himmel über der tollen Landschaft, der Duft noch regennasser Felder und das laute Sprechen Yakups waren eine Mischung, die mir das Lächeln ins Gesicht trieb.

At the Tire Shop

In der Reifenwerkstatt. Während der Mann rechts meinen Platten fachkundig flickte, unterhielt ich mich bei Tee und Simit mit einem Imam und einem Mechaniker (beide links).

Winter in Anatolia

Der nächste Radeltag sollte einer der schönsten werden. Es war zwar frisch und windig, aber die Gegend war schön und es blieb trocken. Am Ende des Tages war ich richtig euphorisch.

Am frühen Abend kam ich in Eskisehir an. Die Stadt hat sich nach der Eröffnung der dortigen Universität vor etwa 10 Jahren völlig verändert. Die Bevölkerung des ehemals verschlafenen Provinznestes hatte sich seit dem vervierfacht, und es sind fast ausschließlich junge Leute auf der Straße zu sehen. Eine richtige Studentenstadt eben.

Couchsurfing FTW!

Couchsurfing @Eskisehir rulez! Die beiden Brüder Ugur und Cüneyt waren ein super Gespann, die mir die tolle Studentenstadt Eskisehir zeigten.

I usually don't do other's artwork. This one was awesome though.

Ein Exponat im Glasmuseum Eskisehir. Normalerweise fotografiere ich keine Kunstwerke Anderer. Dieses Madonnenbild aus geborstenem Glas hatte es mir jedoch angetan.

Eskisehir (zu Deutsch: alte Stadt) hat tatsächlich eine tolle Altstadt. Die Häuser sind in den letzten Jahren aufwendig renoviert worden. Sie liegt hoch und hat viele Winkel und Gassen, so dass einem immer wieder der Blick auf das Umland gewährt wurde.

Street Reflections

Reflektionen auf der Straße nach einem bisschen Regen.

In Eskisehir rechnete ich mir noch einmal die geplante Route durch. Ich wollte am 18. Dezember in Ankara inklusive dem Abstecher nach Kappadokien sein.
Für die Strecke blieb mir also etwa gut eine Woche Zeit. Um die Strecke in Ruhe radeln zu können, entschied ich mich ab Eskisehir den Übernachtbus nach Konya zu nehmen. Dadurch sparte ich mir 400km, und ich konnte den Rest der Strecke dann in ruhigem Tempo angehen.

Arriving in Konya

Ankunft morgens früh in Konya.

Mevlana @Konya

Konya ist eine große Stadt, es gibt jedoch kaum etwas zu sehen. Einzig das Mausoleum Rumi's (Begründer des Sufismus) ist eine Attraktion.

Fatih @Konya

Mein Host in Konya: Fatih.

Family Dinner at Konya

Abends wurde ich zu einem traditionellen Familienessen eingeladen, zu dem auch die Verwandtschaft kam. Es gab eine Spezialität aus Konya: Etlietmek mit selbstgemachter Linsensuppe.

Am nächsten Morgen ging es weiter in Richtung Aksaray. Die Straße dorthin führt über eine Hochebene. Es ist die wohl flachste Gegend Anatoliens, auf einer Höhe von 900 Metern.

Young Shepherds

Auf der Strecke von Konya ostwärts traf ich diese beiden Geschwister. Sie hüteten Schafe. Es war krass mit welchem Schwung sich der Jüngere hinten beim Bruder auf den Esel schmiss, um mich dann gemeinsam an der Straße im Hoppelschritt einzuholen.

Jacqui & Aaron, cyclist from Australia

Gegen Abend traf ich diese beiden Reiseradler: Jacqui und Aaron aus Australien. Sie befinden sich auf einer Fahrradreise von Australien bis Irland. Der abgeklärte Blick in ihren Augen faszinierte mich. Sie haben bestimmt schon vieles gesehen.

Sunset between Konya and Aksaray w Bike

Da es schon später Nachmittag war, entschlossen wir uns die Nacht gemeinsam zu campen.

Camping at -6°C

Lightpainting unserer Initialien über unseren Zelten. Sobald die Sonne weg ist, wird es sogleich empfindlich kalt. Diese Nacht sank das Thermometer im Zelt auf -3°C.

Jacqui und Aaron sind ebenfalls passionierte Fotografen. Wir unterhielten uns viel über das Fotografieren und Reisen. Sie gaben mir wertvolle Tipps.

Camping with Jacqui & Aaron

Es ist bereichernd zu erleben, dass man auch bei solchen Temperaturen schlafen kann. Der heiße Kaffee am nächsten Morgen tat trotzdem gut.

Nach dem gemeinsamen Frühstück trennten sich unsere Wege. Sie fuhren weiter Richtung Westen, nach Istanbul. Dafür konnte ich Ihnen noch ein paar Tipps geben. Mein Weg führte immer weiter nach Osten.

Beetroot -> Sugar

In Anatolien werden viele Zuckerrüben angebaut. Die werden dann in Fabriken wie diesen verarbeitet. Die weiße Rauchfahne war auf der Hochebene schon von Weitem sichtbar.

Selcuk Style @Obruk Hani

Bei Obruk gibt es ein gut erhaltenes Kervansaray, wo während der Zeit der Seldschuken die Karavanen Rast machen konnten.

bike got muddy whilst approaching Tuz Gölü, Anatolia

Da man auf dem Weg von Konya nach Aksaray unterhalb des großen Salzsees vorbeifährt wollte ich dorthin einen Abstecher machen. Der Salzsee (Tuz Gölü) läuft sehr flach aus. Die Konsequenz daraus hatte ich nicht bedacht: Noch bevor man den See überhaupt sehen kann, verwandelte sich der Feldweg dorthin in einen unpassierbaren Schlickpfuhl. Der salzige Schlamm setzte sich augenblicklich zwischen Reifen und Schutzblech. Damit war an Weiterfahren nicht mehr zu denken.

cleaning the muddy bike

Das Schieben des Rades zum nächsten Dorf war ziemlich anstrengend, da der Schlick die Räder blockierte und selber tierisch schwer ist. Im Dorf gab es zum Glück eine Autowerkstatt mit Hochdruckreiniger. So wurde mein Rad zum ersten Mal seit Deutschland mal wieder gereinigt.

Aufgrund des Abstechers zum Salzsee war ich meinem Zeitplan jetzt einem halben Tag hinterher. Dies wäre nicht weiter schlimm gewesen, hätte nicht sich plötzlich ein Couchsurfing Host aus Nevsehir (Kappadokien) gemeldet. Die Aussicht auf eine Dusche und eine warme Bleibe, von der aus man Kappadokien erkunden konnte, bewegten mich den Rückstand am nächsten Tag wieder aufzuholen.

One frosty morning

Am nächsten Morgen ging es früh los: die Nach war sehr kalt gewesen, im Zelt waren -6°C.

Am Ende diesen Tages standen 135 km auf dem Tacho. Ich war fix und alle. Mein Host, ein Iranischer Flüchtling, war jedoch sehr gastfreundlich und großzügig. So konnte ich den Abend über entspannen und ausruhen. Es war interessant ihren Geschichten zuzuhören. Gleichzeitig ist es betrübend zu sehen, wie Flüchtlinge leben müssen. Sie dürfen sich nicht frei bewegen, und Arbeit bleibt ihnen auch verwehrt. Damit müssen sie den ganzen Tag in ihren vier Wänden verbringen. Das stelle ich mir auf Dauer zermürbend vor.

Den nächsten Tag wollte ich als Ruhetag nutzen. Dazu fuhr ich ohne Gepäck in den Nationalpark Kappadokiens rein.
Es sollte mich verzaubern.

Uchisar

Die Burg von Uchisar. Man hat dort aus einem riesigen Felsklotz eine Burg gehauen. Wirklich beeindruckend.

Diese Burg kann man besteigen. Oben auf der Burg war ich ganz für mich allein. Als wären Burg und Aussicht an sich nicht schon bizarr genug, fingen plötzlich überall um mich herum die Imame zum Gebet zu rufen.

View on Göreme Valley

Der Göreme-Nationalpark. Er ist bekannt für die typischen spitz zulaufenden Steinsäulen. Verschiedene Erosionsgeschwindigkeiten kreierten dabei die typischen Pilzformen des vulkanischen Gesteins. Die Landschaft ist einfach oberbizarr.

Teeth

Mein Fahrrad neben einem Paar dieser steinernen 'Zähne'.

Tourist Attracting Colours

Tücher zu kaufen. Die Gegend ist touristisch natürlich voll erschlossen. Ich hatte jedoch Glück. An dem Tag waren kaum Touris unterwegs (eine Busladung Japaner ausgenommen).

The Camel @Kappadokia

Eine skurrile Felslandschaft: Das 'Kamel'.

Spot the Bus @Kappadokia

Finde den Bus.

Kappadokia

Abendlicht.

Völlig in den Bann dieser fantastischen Landschaft gezogen, vergaß ich ganz den Ruhetag einzulegen. Ständig trieb es mich weiter. Hinter jeder Ecke wartete eine neues Motiv auf mich. Die Bilder oben bilden nur eine kleine Auswahl.

Von Kappadokien aus ging es nun nordwärts Richtung Ankara. Ich lag wieder gut in der Zeit. Die Route führte über Kirsehir und Kaman. Nach Kappadokien erschien mir diese Landschaft jedoch als fad. Das mag auch daran gelegen haben, dass es ein ewiges Auf und Ab über die Hügel war. Das Wetter sollte sich ab Kirsehir immer mehr zuziehen, so dass ich die Kamera weitestgehend im Beutel lassen konnte.

Kesik Köprü

Eine alte Brücke über den Fluss im Abendlicht.

Magic Sunset before Kirsehir

Ein atemberaubender Sonnenuntergang bei der Einfahrt nach Kirsehir.

Magic Sunset before Kirsehir

Ein letztes fantastisches Spektakel der Farben.

In Kirsehir wurde ich von einer guten Nachricht überrascht: mein Letter of Invitation für das Iranische Visum sei mir schon jetzt nach nur zwei Wochen ausgestellt worden. In 3 Tagen würde ich das Visum in Ankara abholen können. Fantastische Nachrichten! Ich freute mich sehr. An meinem Plan heimzureisen änderte dies jedoch nichts, da ich den Flug jetzt bereits gebucht hatte und wie oben angeführt noch weitere Sachen zu Hause zu erledigen hatte.

Zwei Tage später kam ich in Ankara an. In Ankara beherbergte mich der Baris, ein Ingenieurstudent and der ‘Zentralanatolischen Universität’ (ODTÜ). Gleich am Montag ging ich zur Botschaft. Nach einiger Wartezeit stellte sich der Beamte als sehr freundlich heraus. Zwei Tage später hatte ich das Visum im Pass.

Engineering Students at Work

Ingenieurstudenten in der Planungsphase ihres Abschlussprojektes.

Ankara Dolmus

Eine Schlange von Dolmus (Kleine Busse) steht in der Innenstadt Ankaras. Dolmus sind mein Hauptverkehrsmittel in Ankara.

Gürkan Genc & Me

In Ankara traf ich über Connections den Reiseradler Gürkan Genc. Eine sehr positive, optimistische Persönlichkeit. Er kam gerade von einer Tour von der Türkei nach Japan zurück. Bald geht er auf siebenjährige Fahrradweltreise. Beeindruckend und inspirierend.

Gürkan Genc & Girlfriend

Seine Ex-Freundin war von dem Ganzen zunächst nicht so angetan.

Ein Freund erbot sich mein Rad bei sich für die Zeit kostenlos unterzustellen. Das war sehr freundlich von ihm. Überhaupt werden mir die Güte und Großzügigkeit der Menschen auf dieser kurzen zehntägigen Reise lange in Erinnerung bleiben. Da auch alles bei der Botschaft so schnell gegangen war, blieb mir noch Zeit die Stadt zu erkunden.

The Doubting Englishman @Ankara

Der zweifelnde Engländer. Simon ist studierter Anthropologe und z.Z. Sprachlehrer in Ankara (daher der Anzug). Ihn traf ich in einem Geschäft. Er geht auf lange Wanderungen durch Europa und weiß auch noch nicht genau, was er mit seinem Leben anfangen will. Mit ihm diskutierte ich u.A. die Ethik der Fahrradreisen für wohltätige Zwecke.

Reading Tissue Vendor @Ankara

Dieser Junge soll eigentlich Taschentücher verkaufen. Er war jedoch völlig in seine Lektüre vertieft. Solche seltenen Szenen finde ich toll und sie geben mir Hoffnung.

Insgesamt bestätigte sich mein Urteil von meinem ersten Besuch an Ankara: es ist eine große Steinwüste, ohne besonderen Charme. Mir hat es trotzdem gut gefallen. Dies muss an den vielen Leuten gelegen haben, die ich in der Stadt getroffen habe.
Von Ankara aus nahm ich den Übernachtbus nach Istanbul. Dort verbrachte ich noch einen Tag bei Abdul und William, bevor am Abend des 23. Dezember mein Flieger heim ging.
Es war merkwürdig nach der langen Zeit in der brummenden Türkei wieder in dem geordneten Deutschland zu sein.

Davon jedoch mehr im nächsten Post,
euer Johannes Bondzio

Die Stadt, die keinen Namen braucht - Teil 2

Die Stadt, die keinen Namen braucht – Teil 2

Das Leben in Istanbul nahm seinen Lauf. Das Wetter war noch sonnig und warm. Dies war verführerisch. Mit der Zeit entwickelte das Leben in Istanbul eine Art Sog, der einen sich fragen ließ, wo die ganze Zeit geblieben war. Die Tage kamen und gingen. Da war es gut sich eine Art To-Do Liste zu erstellen. […]