Jan 242012
 

Da war ich wieder. In Deutschland. In einer Welt, die aus Weihnachtsmärkten, geregeltem Verkehr und Nieselwetter zu bestehen schien. Ganz ohne Vorbereitung eine ziemlich Umstellung.

Die Freude des Wiedersehens mit meiner Familie war groß. Aber damit möchte ich euch garnicht zu sehr langweilen. Nur so viel: Ich habe eine schöne Zeit zwischen den Jahren gehabt. Hier lediglich ein paar Eindrücke.

Schuh

Stumme Zeugen des Heiligen Abends.

Schuh

Die Tage daheim habe ich es ruhig angehen lassen. Viele Spaziergänge, viele Bücher, viel Zeit mit der Family.

Nach langer Zeit im Ausland erscheint einem in Deutschland Einiges kurios.

Zum Glück ging es bald danach wieder los. Am frühen Morgen des 6. Januars stieg ich in den Flieger nach Ankara, wo ich mein Fahrrad geparkt hatte.

Meine Bike Gang aus Ankara. Sie sind total verrückt aufs Fahrradfahren in dieser radelunfreundlichen Stadt Ankara. Beim Can (links neben mir) hatte ich mein Fahrrad unterstellen dürfen. Dafür nochmal vielen Dank!

Zwecks Planung meiner Weiterreise hatte ich verschiedene Wetterberichte gelesen ( yr.no und snow-forecast.com ). Dabei stellte sich heraus, dass ganz Zentralanatolien unter dicken Schneewolken lag. Nur der Van-See ganz im Osten der Türkei schien verschont zu bleiben. Damit entstand der Plan mit dem Bus zum See zu reisen und von dort aus Richtung Iran loszuradeln.

Auf der Fahrt sah es aus dem Bus heraus tatsächlich ziemlich trübe aus.

Angekommen in Tatvan. Tatsächlich klärte sich das Wetter erst auf den letzten 30km vor diesem Ort auf. Es war zwar kalt, aber von nun an blieb es trocken. Auf den Schildern tauchte ein magischer Name auf: Iran!

Der Himmel war vom windigen Wetter ganz zerrissen, was für dramatische Lichtverhältnisse sorgte.

Idem dito.

Kurz vor Sonnenuntergang des ersten Tages traf ich diesen Mann. Ich fragte ihn, ob ich auf seinem Grundstück für eine Nacht zelten könne. Nachdem er sich an den Gedanken gewöhnt hatte, sagte er schmunzelnd zu. Er lebt zusammen mit seinen Eltern und seiner Frau in einem Haus. Dieses Bild zeigt ihn mit seiner siebenmonatigen Tochter sowie seinem Sohn/Bruder (war nicht ganz klar).

Die Straße nördlich des Vansees führt wunderschön direkt am See entlang.

Das tiefe Blau des Sees kontrastierte zu den winterlichen Tönen der Umgebung.

Im Norden des Vansees liegt die Stadt Ercis. Diese Stadt ist vor etwa drei Monaten von einem schweren Erdbeben erschüttert worden, bei dem viele Menschen getötet und viele Häuser zerstört worden sind. Die Schäden sind von den Medien ausreichend dokumentiert worden. Schön war zu sehen, dass die Stadt mittlerweile wieder quicklebendig und im Wiederaufbau begriffen ist.

Diese Kinder haben bei dem Beben ihre Bleibe verloren. Im Hintergrund sieht man, wie provisorische Containersiedlungen errichtet werden, in denen sie nun leben. Die Reife der Kinder hat mich überrascht. Sie waren sehr höflich und diszipliniert. Angebotene Kekse lehnten sie dankend ab.

Vom Van-See aus ging es nördlich über die Berge nach Dogubayazit. Trotz Hinweise wegen der großen Kälte auf dem Tendürek-Pass (2644m) wollte ich es versuchen. Der Begriff der ‘Wetterkehre’ hätte mir nicht eindrucksvoller vermittelt werden können.

Beim Aufstieg herrschte ein schneidender Gegenwind bei Temperaturen unter -10°C. Irgendwann fand ich mich in dichtem Nebel bei vereister Straße wieder. Das war mir zuviel: ich hielt ein Auto an, welches mich über den hohen Pass fuhr.

So sah es dann auf Passhöhe aus. Strahlender Sonnenschein, Windstille und warme 7°C. Unglaubliche Gegensätze waren das.

Von dort oben habe ich mich nur noch nach unten rollen lassen. Der Berg Ararat (5.137m, damit höchster Berg der Türkei) bot einen astral leuchtenden Anblick.

Nach der Nacht in der Grenzstadt Dogubayazit waren es schlappe 35 km bis zur Iranischen Grenze, die bergab und mit Rückenwind schnell bewältigt waren.

Zwei interessante Landmarken auf dem Weg zur Grenze.

So schnell und abrupt beendete sich also nun das Kapitel Türkei! Ganze drei Monate hat es mich in diesem tollen Land gehalten. Die freundlichen Menschen und Freunde, die ich in dieser Zeit getroffen habe, machten meinen Aufenthalt unvergesslich. Ein spannendes Land, das für den Radler viele gute, ruhige Straßen und spektakuläre Landschaften bietet.

Nun ging es also in den Iran. Der Buhmann unter den Ländern, von dem man so vieles hört, aber im Grunde so wenig weiss. Wie sollte es sein? Wie würde es werden? Davon mehr im nächsten Post.

Euer Johannes Bondzio

Sep 112011
 

Monate seit waren verstrichen seit den ersten Planungen. Ein Studium war abgeschlossen worden. Da ging es plötzlich los. Die Nacht zuvor war noch einmal kräftig der Abschied zum Aufbruch gefeiert worden. Da trafen wir uns zum symbolischen Startpunkt: das Brandenburger Tor.

Ein schwer beladener Packesel.

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Ein herzliches Dankeschön nochmal an alle, die mich so herzlich verabschiedet haben. Ich habe mich sehr darüber gefreut!

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Auf Wiedersehen Berlin! Bis die Tage!

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Es fing sofort nach Verlassen Berlins immer stärker an zu regnen. Als meine Füße bereits klitschnass waren hatte ich die Nase voll und schlug für die erste Nacht mein Zelt irgendwo im Wald auf.

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Am nächsten Morgen schien die Sonne und ich konnte Brandenburg in seiner vollen Schönheit genießen. An Orten, wo man es am wenigsten erwartete tauchten kuriose Straßennamen auf. Hier ein Beispiel.

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Brandenburg,...

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... ruhiges Brandenburg.

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Mittagessen. Ich entdeckte gegen Mittag am Straßenrand einige Bäume voller reifer Pflaumen. Sie sollten für die nächste Woche zu meinen Grundnahrungsmitteln gehören. Ein sehr schmackhafter Energiespender.

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Die zweite Nacht durfte ich bei der freundlichen Familie Rohleder im Garten übernachten.

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Herr Rohleder ist von Beruf Orgelbauer und zeigte mir seine Werkstatt. Die Vielfalt verschiedener Orgeln ist beeindruckend. Jede Orgel ein Unikat.

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Idyllische Ländlichkeit und volle Obstbäume an der Grenze zwischen Brandenburg und Sachsen. Überall roch es nach gärendem Obst.

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Bestes Fahrradwetter: nicht zu heiß, nicht zu kalt.

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Das erste Etappenziel war erreicht: die Elbe. Hier bei Meissen.

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Der Elberadweg bei Dresden.

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Die Seele Dresdens: die Frauenkirche.

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Eine Autobahnbrücke kurz nach Dresden.

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Stromaufwärts von Dresden wird die Elbe wunderschön.

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Die Ria beherbergte mich für zwei Tage. Gemeinsam erkundeten wir die Sächsische Schweiz.

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Durst nach einer Wanderung.

Am nächsten Tag überquerte ich die Grenze nach Tschechien. Das Abenteuer konnte beginnen!

Schöne Grüße und bis bald,
Johannes Bondzio