Mar 142012
 

Hassan.

Am ersten Abend bei Hassan in seinem Garten machte ich mir Gedanken, wie lange ich bleiben wollte. Ich hatte sowieso vor gehabt, an dem Tag, an dem ich in seinen Garten gebeten wurde, einen Ruhetag einzulegen. Daher kam mir seine Einladung ganz gelegen. Länger als einen Tag wollte ich jedoch nicht bleiben, so schön das auch dort war. Ich hatte nämlich noch vor ein paar Besorgungen zu erledigen, bevor es für mich nach Dubai ging. Dies sagte ich auch den Leuten. Diese beschworen mich jedoch länger zu bleiben. Ich solle schön relaxen. Ich dankte ihnen, bestand jedoch auf mein Vorhaben.

Die lieben Kinder des Afghanischen Pförtners im Garten.

Die Zeit bei Hassan war schön. Ich habe mich tatsächlich herrlich in seinem Garten entspannen können. Wir haben viel geredet, und ich habe viel gelesen. Hassan wollte unbedingt mal auf meinem Rad probefahren.

Ein Zweig der Dattelpalme.

Als der Morgen, an dem ich weiter wollte, gekommen war, brach mir beim Festziehen der Sattelklemme aus Aluminium das Gewinde heraus. Damit konnte ich im Grunde nur noch im Stehen fahren. Das musste also erst einmal repariert werden. Ganz wie selbstverständlich nahm mich Hassan hinten auf sein Mofa und wir fuhren den Vormittag in die Stadt, um ein Gewinde eine Nummer größer in die Klemme zu schneiden. Als das erledigt war, war es bereits Mittag und die Sonne stach vom Himmel. Mit einem Lächeln deute mir Hassan stumm diesen Wink des Schicksals: Es ist schon spät, es weht zu viel Wind. Komm, bleib doch hier. Wortlos, mit einem Lächeln, ergab ich mich.

An diesem Tag widmeten wir uns der Gartenarbeit. Hassan hatte Veilchen und andere Blumen gekauft, die er verpflanzen wollte. Das Gärtnern in diesen Gegenden ist ein Sisyphusarbeit: Sobald der Sommer mit seinen gnadenlosen Temperaturen kommt, werden die schönen Blumen allesamt unter der Sonne verbrennen.
Die Pflanzen trotzdem zu setzen passte zu der Philosophie des Gartens: Es galt den Moment zu genießen, das Leben zu greifen, die Welt zu umarmen.

Gemeinsam pflanzten wir die Blumen.

Zunächst reichte ich ihm die Blumen, die er verpflanzte. Nachdem ich verstanden hatte, wie er sie gesetzt haben wollte, machte ich mich dann selber daran.
Wir arbeiteten bis zum Einbruch der Dunkelheit. Es machte mir großen Spaß, nicht nur, weil ich mich ein wenig um meine Kost und Logis verdient machen konnte. Nein, es lag etwas Tieferes, Befriedigenderes in dieser Arbeit des Schenkens und des Pflegens von Leben.

Da war er da: der dritte Tag. Tag des Abschieds aus dem Paradies. Der Abschied war herzlich und rührend. Es kamen mir ernsthafte Zweifel an meinem Vorhaben fort zu gehen. Was wollte ich mehr, was es hier nicht gab? Welche Ausreden wollte ich mal wieder vorschieben um einen weiteren gesegneten Ort zu verlassen? Freiheit? Das verdammte Visum? Irgendwelche Aufgaben? Ich wusste es diesmal nicht. Ich schluckte den Kloß herunter, und fuhr unter Winken von Hassan und den Kindern aus dem Tor hinaus.

Achtung Dromedare!

Die Gegend um Lar herum ist bereits sehr karg. Man trifft mittlerweile öfter Dromedarherden. Dromedare sind neugierig, und diese friedlichen Tiere kamen einmal bis an die Straße heran um mich zu begutachten.

Die Nähe zu einem solch großen, ungezügelten Tier ist Nervenkitzel, auch wenn man weiß, dass einem nichts passieren kann.

Aufgrund der großen geographischen Ausbreitung des Irans kann es im Norden noch frieren, während im Süden Temperaturen herrschen wie bei uns sonst nur im Hochsommer. Dies ermöglicht es, dass es immer frisches Gemüse gibt. Denn ist es im Norden zu kühl, so gibt es Gemüse aus dem Süden. Ist der Süden wiederum im Sommer zu heiß, ist der Norden so warm, dass dort die Gewächse gut gedeihen.

Hier im Süden wurden gerade die Tomaten geerntet.

Nach zwei Tagen radeln erreichte ich den Persischen Golf bei Bandar-e Pol. Anstelle von dort aus an der Küste entlang nach Bandar Abbas zu radeln, entschloss ich mich mit der Fähre auf die Insel Qeshm über zu setzen. Diese Insel ist die größte Insel des Persischen Golfs und ist unter anderem Heim eines UNESCO Geoparks sowie dem größten Mangrovensumpf Irans.

Nach einem der längsten Radeltage bisher kam ich abends kurz vor Dunkelheit auf der Insel an. Müde schlug ich im Windschatten dieses erodierten Felsens mein Zelt auf.

Weiter südlich meiner Campstelle liegt Laft. In Laft gibt es eine Werft der traditionellen Holzschiffe dieser Gegend, der Lengehs.

Lengehs werden seit Jahrhunderten und noch heute benutzt, um Waren über den persischen Golf zu transportieren.

Auf der Werft traf ich einige Pakistanis, die hier ohne Aufenthaltserlaubnis für etwa 350 € im Monat hart schuften. Derer gibt es hunderttausende im Iran. Sie luden mich zu sich zu einem zweiten Frühstück ein.

Ein 'Gastarbeiter'

Laft selber ist ein beschaulicher Ort. Seine Dächer zieren viele Windfänger, die den Wind als Kühlung in die Häuser leiten.

Wie stark die Sonne in diesen Gegenden sein kann, lässt sich vielleicht an diesem Schild erkennen.

Südlich von Laft liegt der Hara Mangrovensumpf. Er ist um diese Jahreszeit Zwischenstopp für über 200 Zugvogelarten. Für teure 15€ habe ich mir mit einer Familie uns zu siebt ein Motorboot gemietet um ein wenig durch den Sumpf zu fahren.

Sonnenschutz komplett: Sie wird wohl keinen Sonnenbrand bekommen.

In Laft bin ich bereits diesen zwei Radlern begegnet, Guus aus den Niederlanden und Will aus Wales. Sie haben ihre Räder in Esfahan stehen gelassen und erkunden den Süden des Irans per Bus. Bald fahren sie weiter über die Zentralasien nach China. An dem Tag haben wir zu dritt einfach im Schatten das gute Wetter genossen.

Am späten Nachmittag verabschiedete ich mich von ihnen und suchte mir einen Platz zum Zelten. Der starke Wind hatte viel Sand aufgewirbelt, der den Sonnenuntergang spektakulär färbte.

Menschenleerer Sandstrand.

Das hatte ich mir versprochen: Am nächsten Morgen erreichte ich den südlichen Strand der Insel. Der war menschenleer, und ich nahm ein wohliges Bad im warmen Wasser des Golfs.
Das war herrlich! Ich war völlig allein, und ließ mich vom Wind und der Sonne trocknen.

Auf dem Weg zur Stadt Qeshm kam ich an einer Art Lengeh-Friedhof vorbei. In einer Bucht waren viele alte Lengehs zum Verrotten auf den Sand geparkt.

Ein skurriler Anblick.

Dies hatte an dem Nachmittag auch schon eine Filmcrew gemerkt, die gerade dabei waren von der Maryam Zandi, eine Doku zu machen. So ein Zufall, einer so großen Photographin an diesem denkwürdigen Ort die Hand geben zu können!

Diese Frau war fantastisch: Sie ist zwar schon 65, sieht aber zehn Jahre jünger aus und ist voller Energie. Sie erinnerte mich an meine Mutter.

Bootsreste

Mein unverschämtes Glück wollte auch am Nachmittag nicht abreißen: Als ich gegen vier am Fährpier von Qeshm ankam, konnte ich gleich zur abfahrbereiten Fähre nach Bandar Abbas weitergehen. Damit jedoch nicht genug:

Es stellte sich heraus, dass diese Fähre die letzte an diesem Tag sein sollte, da alle weiteren wegen zu starkem Wind gestrichen wurden.

Ich ließ mein Fahrrad beim hilfsbereiten Mohammed in Bandar Abbas und fuhr noch am gleichen Abend mit dem Bus zurück nach Shiraz, um meiner Mutter einen versprochenen Perserteppich zu kaufen.

Es war schön wieder in Shiraz bei Marjan und Mehdi zu sein. Die Erfüllung meiner Aufgaben stellte sich als spaßiger heraus, als ich gedacht hätte. Endlich konnte ich mal richtig mit den Bazaris verhandeln und all mein Persisch in die Diskussion werfen. Ich denke ich habe ein paar gute Schnäppchen machen können.

Topfwarenhändler, Shiraz.

Nach drei Tagen fuhr ich zurück, mit einem Fährticket nach Dubai von Bandar Lengeh aus in der Tasche. Eingedenk der Worte eines der Mitglieder der Filmcrew auf Qeshm (er hatte mich gewarnt, dass Fähren im Iran unzuverlässig seien) habe ich bei dem Abfahrtstermin mir zwei Tage Puffer gelassen, bevor mein Visum auslief. Das war ein kluger Zug gewesen, wie sich herausstellen sollte.

In Bandar Abbas holte ich mir das Fahrrad vom Mohammed wieder ab. Der Plan war nun von Bandar Abbas nach Bandar Lengeh zu trampen oder mit dem Bus zu fahren und von dort aus am nächsten Tag mit der Fähre rüber zu setzen.

Das Trampen war mit dem Fahrrad doch etwas komplexer als gedacht. Die ersten Versuche mit LKW-Fahrern schlugen fehl.

Zum Glück nahm mich da jedoch der Danial, ein Busfahrer, mit.

Die letzten 100 km bis Bandar Lengeh waren Danial und ich allein im Bus. Wir genossen die Fahrt an der spektakulären Steilküste bei untergehender Sonne mit Tee, Sonnenblumenkernen und brüderlichen Gesprächen über Politik und Völkerverständigung. Einmal mehr wurde betont, dass Regierung und Bevölkerung im Iran zwei ganz verschiedene Dinge sind. Es war sehr schön. So schön, dass Danial in Bandar Lengeh nicht einmal mehr meine Bezahlung akzeptieren wollte. Ich jedoch bestand darauf. Wir gerieten fast in ein Gerangel darüber. Irgendwie schaffte ich es am Ende, ihm die Hälfte des vereinbarten Fahrpreises in die Hand zu drücken. Wir verabschiedeten uns lachend und mit brüderlichen Wangenküssen. Der vermeintlich letzte Tag hätte nicht schöner enden können.

Als ich am nächsten Tag früh morgens am Fähranleger ankam, erfuhr ich, dass meine Fähre für den Tag wegen zu starkem Wind gestrichen worden war. Ich solle zwei Tage später wieder kommen. Eine tolle Bescherung! Ich stand nämlich nun vor einer brenzligen Situation: Mein Visum lief in zwei Tagen aus. Sollte zwei Tage später die Fähre wieder gestrichen werden (ich wusste mittlerweile, dass der Wind im Iran gerne stark und lange weht) lief ich Risiko, ohne Visum da zu stehen.

Ich hatte die Wahl: Um zu verhindern, dass mein Visum ausläuft, während ich noch im Iran bin, würde ich es am letzten Tag in dem 200 km entfernten Bandar Abbas verlängern müssen. Um die Sache noch ein bisschen heikler zu gestalten, kam hinzu, dass die dortige Behörde nur vormittags auf hatte. Das wäre eine äußerst hektische Geschichte geworden.
Die Alternative war vorzeitig, in der Zeit, die ich jetzt hatte, nach Abbas zu fahren. Dies barg das Risiko, dass ich dreissig Euro Fahrtkosten und Visumsgebühr möglicherweise umsonst ausgeben müsste, falls die Fähre doch fahren würde.

Um eine Entscheidung zu treffen, musste ich die Risiken abwägen. Ich suchte das nächste Internetcafé und informierte mich. Die Wettervorhersagen sagten alle eine Beruhigung der Wetterlage für den übernächsten Tag voraus. So blieb ich in Bandar Lengeh und ging das Risiko ein. Ich freundete mich mit Mahmud, dem Besitzer des Cafés an, und verbrachte die nächsten zwei Nächte bei ihm in der Wohnung. Während der ganzen Zeit durfte ich mein Portmonee nicht anrühren.

Der Kapitän.

Und tatsächlich: am Tag vor der Abfahrt wehte es zwar stark, aber am Tag der Abfahrt selber lag das Meer spiegelglatt da. Es hätte überhaupt nicht besseres Wetter geben können. Erleichtert ließ ich die Grenzprozedur über mich ergehen. Ich bestieg die Fähre, rief ein letztes Mal meine Iranischen Freunde zum Abschied an, und da fuhren wir los, nach Dubai und zu den Arabischen Emiraten! Auf Wiedersehen Iran! Es war unvergleichlich mit dir und deinen Bewohnern. Kheili Mamnun – Vielen Dank!

Mar 102012
 

Bei Einbruch der Dunkelheit kam ich in Shiraz an. Ich hatte die Nummer von der Marjan und dem Mehdi, die mich in Shiraz bei sich beherbergen würden. Marjan hatte mich bereits in Esfahan über Couchsurfing angeschrieben. Sie fährt gerne selber Fahrrad und habe die besten Erfahrungen mit Tourenradlern gehabt, die sie bei sich beherbergt habe. Ob ich nicht auch bei ihnen übernachten wolle. Natürlich wollte ich. Eine solche Einladung kann man wohl nur in diesem Land erhalten.

Sportlich gekleidet kam das Ehepaar an dem Abend, um mich mit dem Fahrrad abzuholen. Seit Ankara hatte ich keine Frau mehr Fahrrad fahren gesehen. Es sollte bei ihr nicht das letzte Mal sein, dass ich bei dieser Frau „Das ist das erste Mal, dass…“ sagen würde.

In Shiraz konnte ich endlich ein wenig entspannen. Marjan ist ein hervorragender Koch, und ich genoss die warme Dusche und die Ruhe, die in ihrem Apartment herrschte. Zwei Tage lang verließ ich praktisch nicht das Haus. Wenn doch, dann nur um irgendwo ruhig und schön einen Tee zu trinken.

Die „Big Ticket“ Touri-Attraktionen in Shiraz hatte ich mit Naqsh-e Rostam und Persepolis schon gesehen. Shiraz selber hat gar nicht so viel zu bieten. Die Sights, die ich gesehen habe, waren alle nur wenig interessant. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich nach Esfahan und Yazd bzgl. Sightseeing einfach ein wenig verwöhnt und übersättigt war.

Bei der Besichtigung der Vakil-Moschee sah ich diesen jungen Mann. Er ist Ingenieurstudent der hiesigen Uni und hatte als Auftrag von seinem Prof bekommen ein Gebäude zu skizzieren.

Der schönste Ort Shiraz ist wohl das Grab Hafez's. Hafez ist der berühmteste Persische Dichter. Ströme von Menschen pilgern zu seinem Grab um diesem Nationalhelden an seinem Mausoleum zu huldigen. Seinen Gedichten wird wahrsagerische Kraft zugesprochen: Man nehme ein Buch mit seinen Gedichten, und schlage an seinem Grab eine Seite zufällig auf. Dieses Gedicht hat dann eine bestimmte Bedeutung für einen. Hatte leider kein Buch zur Hand.

Das Grab selber ist ein herrlich ruhiger Ort mit Bäumen und Wasser, an dem Musik spielt.

Nach gut 6500km auf der Reise gingen langsam die Nähte von meiner vielbeanspruchten Radelhose auf. Die konnte ich jetzt in aller Ruhe ausbessern.

Es gibt ein Nationalgericht in Iran, es heißt Kale Patsche. Es besteht aus gekochtem Schafskopf. Der Name heißt soviel wie Kopf und Fuß. In das Gericht kommt wirklich der gesamte Kopf: Zunge, Hirn, Augen, Haut. Einfach alles. Der Geruch ist nicht schlecht, aber eigenartig. Seit dem Beginn vom Iran hatten mir die Menschen davon vorgeschwärmt, wie gut es sei. Ich hatte immer dankend abgelehnt, im Gedanken daran, woraus es besteht. Hinzu kommt, dass man es gewöhnlich zum Frühstück isst. Auf nüchternen Magen.

Kale Patsche polarisiert: Mehdi ist ein großer Fan dieses Gerichts, die Marjan hasst es. Mit ihrer Sondergenehmigung gab es das Essen dann früh morgens um halb sieben, bevor es für Mehdi zur Arbeit ging.

Da hieß es im wahrsten Sinne: Augen zu und durch. Man darf nicht soviel darüber nachdenken. Dann stellt man fest: Tatsächlich, jeder Bissen schmeckt anders. Nicht schlecht, aber ich war froh, dass ich es runter hatte. Nur den Fetzen Haut habe ich liegen gelassen. Mutprobe bestanden!

Lichterketten werden oft zu den Farben der Iranischen Flagge kombiniert.

Marjan im Fenster eines Kaufhauses.

Ich blieb bei den beiden zwei Tage länger als geplant. Wohl ein Zeichen, wie gut es mir bei ihnen gefiel. Am letzten Tag unternahmen wir gemeinsam eine schöne Radtour zu einem nahe gelegenen Salzsee. Von dort aus trennten sich unsere Wege. Sie fuhren zurück in die Stadt, ich fuhr weiter Richtung Süden. Das Wetter war gut, aber leider sollte es sich nicht so halten.

Ein Werbeträger. Im Hintergrund sieht man bereits die dunklen Wolken, die am nächsten Tag Regen bringen sollten.

Ich campte an diesem Abend unterhalb des letzten Pass von 2000 Metern. Am nächsten Tag überquerte ich ihn, begleitet von immer heftiger werdenden Windstößen und kurzen Schauern. Als ich in Firuzabad ankam, radelte ich in strömendem Regen. Kombiniert mit dem Gegenwind macht das keinen Spaß. Ich fragte also bei einem Hof an, ob ich in der Nähe zelten könne. Das käme überhaupt nicht in Frage. Ich solle gefälligst bei dem Wetter hereinkommen.

Ich betrat ein geschmackvoll eingerichtetes Haus. Es wurde Tee gereicht. Die Frau, sie heißt Mira, sprach gutes Englisch. Nach einiger Zeit wurde ich vor den Fernseher gesetzt, und stolz wurde mir gezeigt, dass sie RTL per Satellit empfangen konnten. Dort lief gerade DSDS Staffel dreitausendvierundzwanzig. Um nicht unhöflich zu sein, stellte ich das Gequassel von Dieter Bohlen einfach leiser und las in meinem Buch.

Mira malt gerne und hat diese beiden Variationen auf die alten persischen Motive selber gemalt.

Die Hündin des Hofes hat vor einer Woche einigen Welpen das Leben geschenkt.

Am nächsten Morgen war der Regen verschwunden. Die Luft war klar und Sonne strahlte so gut sie nur konnte. Da konnte ich sehen, was mir tags zuvor durch den Regen verborgen blieb: Wie schön dieses Tal nämlich eigentlich war!

Bei meinen Dehnübungen nach einigen Kilometern am Straßenrand wurde ich von einem gut gelaunten Mann von der Straße rangewunken und zum Tee eingeladen. Es wurden sich gegenseitig Familienfotos gezeigt. Von der Großmutter und ihrer farbigen Tracht hinten hätte ich stundenlang Bilder machen können.

Bei Mohammed stellte sich heraus, dass der Pass, den ich den Tag zuvor überquert hatte, in der Nacht zugeschneit worden war. Da hatte ich mal wieder Glück gehabt!

Die Geologie hier im Süden Irans ist bemerkenswert. Alle Berge sehen so aus, als sei die Erdkruste aufgebrochen und zur Seite gekippt. Zwischen den Bäumen führten Nomaden ihre Ziegenherden.

Die Landschaft war herrlich abwechslungsreich.

Die Straße schlängelte sich durch enge Täler und über viele Hügel.

Die Iranische Regierung investiert offensichtlich viel Geld in den Straßenbau. Hier waren sechs Bagger gleichzeitig am Werk um einen Durchbruch durch einen Berghang zu schaffen.

Da war es soweit: Mein Tacho zeigte 7000 Kilometer seit Berlin an. Ausgerechnet am 27. Februar, genau sechs Monate nachdem ich von Berlin aus aufgebrochen war. Sechs Monate war ich schon auf Reise. Wahnsinn.

Der Persische Golf machte sich immer mehr bemerkbar. Die Tag waren warm und in den Nächten konnte ich ohne Überzelt schlafen. Am Morgen sah ich die Sonne vom Zelt aus aufgehen.

Dies ist eine typische Zisterne der Gegend. Man sieht sie überall. Seit Jahrhunderten beziehen die Menschen hier ihr Wasser aus ihnen.

An einem der Tage, es war kurz vor Lar, machte ich Rast am Straßenrand im Schatten einer Mauer. Diese Mauer war der Sichtschutz einer dahinterliegenden Gartenanlage. Ein Mann, der gerade herauskam, bot mir an, mir diesen Garten zu zeigen. Es war ein wirklich schöner Garten, mit Zitrus- und Orangenbäumen und Dattelpalmen. Im hinteren Teil gab es einen Ziegenstall und einen Mini-Zoo, wo es Bergziegen und sogar ein Emu gab.
In diesem Garten Eden lebte, ganze allein für sich, der Hassan. Hassan arbeitet in Schichtarbeit sechs Monate mit seinen Brüdern in ihrem Geschäft in Qatar. Danach kommt er für drei Monate hier in seine Heimatstadt zurück und genießt hier in seinem Paradies die schönen Seiten des Lebens.
Er baut sich hier sein eigenes Haus. Die sechs Monate in Qatar plant er es. In den drei Monaten hier baut er es. Schritt für Schritt. Zwei Wohnzimmer (eines modern, eines traditionell) und das Bad sind schon fertig. Der nächste Teil soll die Küche sein.
Hassan war ein herrlich entspannter Typ, der seinen Weg gefunden hatte. Das merkt man sofort. Die Menschen mochten ihn, und fast immer waren Bekannte und Freunde bei ihm um zu rauchen oder einfach Hallo zu sagen.

Hassan fragte mich, ob ich nicht bleiben wolle. Ich hatte Zeit. Ich sagte zu. Ich sollte es nicht bereuen. Hassan und ich verstanden uns super.

Von meinem interessanten Aufenthalt bei ihm und der weiteren Fahrt zum Golf soll der nächste Post handeln.

Alles Gute bis dahin,
euer Johannes Bondzio

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