Wüstenstadt und Gegenwind – von Esfahan bis Shiraz

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Feb 292012
 

Der ursprüngliche Routeplan von Esfahan aus war gewesen, dass ich mich durch das Zagros-Gebirge über Yasuj runter nach Shiraz schlängeln würde. Nach gründlichem Check der Wetterberichte musste ich diesen Plan jedoch verwerfen, da für die Berge viel Regen und Schnee vorhergesagt worden war. Ich ergriff deshalb Plan B: Statt durch die Berge würde ich durch die Wüste nach Shiraz fahren.

Es gibt für die Fahrt aus Esfahan raus mehrere dichtbefahrene Highways. Diese will man als Radler jedoch lieber meiden. Auf meiner Karte war ein kleiner Weg Richtung Osten eingezeichnet. Den wollte ich finden. Auf der Suche und bereits auf einer heißen Spur, hielt mich ein Polizeiauto an. Was ich denn hier wolle. Ich versuchte ihm zu erklären, dass ich auf dem Weg nach Yazd sei, und dafür eine kleine Straße suchte. Er verstand nicht recht. Ich solle lieber auf die große Autobahn. Der Weg den ich suche sei zu langsam. Dass es für mich keine Bedeutung hat, ob ich auf einer dreispurigen Autobahn oder einer kleinen Landstraße unterwegs war, war ihm nicht zu erklären.
Um ihn in seiner vermeintlichen Autorität nicht zu verletzen und mir den damit verbundenen Ärger zu ersparen, willigte ich vorerst ein umzukehren und über die Autobahn zu fahren. Sie fuhren langsam hinter mir her, und zunächst hatte es den Anschein, dass sie mich ganz bis zur Autobahn eskortieren wollten. Zum Glück beschleunigten sie jedoch bald. Als sie außer Sicht waren, kehrte ich um und fuhr über meinen urspünglichen Weg weiter. Ganz auf iranische Art 😉

Am Ende des ersten Tages wurde ich von einem Englischlehrer aus Esfahan von der Straße weg zu einem Familienessen eingeladen. Er ist ursprünglich aus einem kleinen Dorf, und einmal im Monat trifft sich dort die ganze Verwandtschaft zum Essen. Da wird sich herzlich begrüßt und viel erzählt.

Die Familienrunde war entsprechend groß.

Zusammen mit dem Englischlehrer versorgte mich dieser Wonneproppen mit Tee und viel Lächeln.

Der Großvater der Familie genoss das Treffen still. Hier mit seiner Enkeltochter.

Nach dem Essen wurde eine Wasserpfeife in geselliger Runde geraucht. Der Tabak mit Orangengeschmack ist echt gut.

Die Kinder hatten großen Spaß dabei die Rauchkringel des Vaters zu durchstechen.

Die Fahrt des nächsten Tages führte über immer schlechter werdende Pisten quer durch eine wüstenähnliche Landschaft. Gegen Mittag fing es dann auch noch ausgerechnet hier an zu regnen. Selber schuld sagte ich mir. Ich hatte es ja so gewollt. Zum Glück kam gegen Abend die Sonne wieder heraus.

Das Wetter hielt sich von nun an erstmal. Die Fahrt war in der kargen Landschaft recht eintönig. Eins der wenigen Highlights war diese Straßenmoschee im Nirgendwo vor Yazd.

Yazd ist laut UNESCO eine der ältesten Städte der Welt. Seit über 7000 Jahren sollen dort Menschen wohnen. Auf der Strecke nach Yazd scheinen viele Radler Geschwindigkeitsrekorde aufzustellen. Das liegt zum einen sicher mit an der Landschaft, die kaum etwas zu bieten hat. Aber vielleicht auch daran, dass die Stadt 400 Hm niedriger als das Umland in einer Senke liegt. Dadurch wird die Stadt im Sommer tierisch heiß. Zum Glück war es aber noch Februar, als ich dort ankam.

Mein Couchsurfing-Host in Yazd, der Balal, war der Concierge eines Hostels in der Stadt. Dort hat er mich zwei Nächte kostenlos übernachten lassen. Dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön.
Das Hostel ist ein renoviertes traditionelles Haus, das eine herrliche Ruhe ausstrahlte. Wegen einer Empfehlung in einem bekannten Reiseführer trifft sich dort die gesamte Travellerszene. Es war gut nach langer Zeit mal wieder mit Gleichgesinnten zu sein, sich auszutauschen und auszuspannen.
Ich traf dort auch zwei Deutsche, mit denen ich tags darauf die Stadt in Augenschein nahm.

Wasserreflektionen auf den Straßen Yazds.

Die Altstadt Yazds ist herrlich. Alles ist voller brauner Lehmbauten. Die Straßen und Gassen sind größtenteils überdacht wegen der großen Hitze im Sommer. In ihrem kühlen Schatten entfaltet sich eine sehr entspannte Atmosphäre.

Zwei Frauen im Basar vor einem Schmuckstand.

Ein Kleinkind auf der Schulter der Mutter.

Auch im Iran gibt es Fahrräder. Sie sind jedoch alt, und sehen wie Hollandräder aus. Es ist das Transportmittel der Alten. Die Jungs bevorzugen Mofas.

Nachmittags schauten wir uns einen Feuertempel an. Dieser Zoroastrier erzählte uns wie das Leben dieser religiösen Minderheit im Iran ist.

Zoroastrier können ihren Glauben frei ausüben, und sind keinen Restriktionen ähnlich denen der Bahai unterworfen.

Propaganda galore! 'Our revolution has spread' - So sieht die Regierung Irans den arabischen Frühling.

Ein Türklopfer für jedes Geschlecht. Sie machen verschiedene Geräusche. So kann immer der Hausbewohner des passenden Geschlechts die Tür aufmachen.

Der Zamyad, der iranische Pickup. Davon gibt es in genau dieser blauen Ausführung unzählige auf den Straßen. Den musste ich einfach jetzt mal dokumentieren

Beim Durchstöbern der Altstadt stießen wir auf diesen vergessenen Fahrradladen. Alles war bereits von einer dicken Staubschicht überdeckt. Ein richtiges Museum.

Blauer Himmel, Moschee und unübersehbare Wegweiser zu meinem Silkroad Hotel.

Nach nur einem Tag Pause fuhr ich weiter Richtung Shiraz. Ich hatte mir eine schöne ruhige Strecke zurecht gelegt. Sie sollte über zwei der höchsten Pässe meiner Reise soweit führen. Der Erste war 2600 Meter hoch. Der Zweite, nunja, dazu später. Ausgeruht, und mit Rückenwind und Sonnenschein war der Erste nicht schwer. Nur die letzten vier Kilometer waren anstrengend.

Einem LKW war der Pass jedoch zu viel. In so einem Fall wird der Mechaniker unten im Tal angerufen, der dann mit seinem Auto angefahren kommt.

Geschafft! Ein prächtiges Panorama bot sich von da oben. Unten links steht mein Fahrrad.

Oben auf dem Pass drehte plötzlich der Wind, so dass er mir entgegen stand. Diese Richtung sollte er seitdem erst einmal beibehalten. Eine schöne Bescherung. Erstmal ging es jedoch noch bergab.

Eine Arbeitslosencrew kurz vor Abarquh.

In Abarquh befindet sich eines der ältesten Lebewesen der Welt. Es ist eine über 4000 Jahre alte Zypresse. Anbetracht eines solchen Wesen fängt man an über die Zeit im Zusammenhang mit menschlichem Wirken nachzudenken. Man muss eingestehen, dass nichts ist für immer ist. Das wurde mir ein paar Tage später in Persepolis noch eindrücklicher bewusst.

In Abarquh traf ich diese beiden Männer. Wir aßen zusammen einen Kebab im Schatten des Baumes. Um noch etwas länger bei dem Baum bleiben zu können, machte ich ein paar Fotos von ihnen.

Die nächste Station hieß Eqlid. Das heißt, eigentlich wollte ich noch weiter kommen. Der immer stärker werdende Gegenwind verhinderte das jedoch. So campte ich eine Nacht in einem Obsthain. Mitten in der Nacht wachte ich auf, da der Wind aus den Bergen mittlerweile zu einem richtigen Sturm ausgewachsen war. Inmitten all der Bäume bekam ich Angst, dass mir einer der Bäume auf das Zelt stürzen würde. Mitten in der Nacht suchte ich mir also, so gut es ging, eine neue Bleibe. Morgens fing es dann auch noch an zu regnen an. Wenn sich diese Region erst einmal für ein Wetter entschieden hat, dann bleibt es auch den ganzen Tag lang dabei. Ich entschloss mich, in Eqlid das Wetter abzuwarten. Ich nutzte die Zeit um einen Blogeintrag zu schreiben, und lernte verschiedene Leute in der Stadt kennen.

Dieser Mann mit seinen Freunden brachte mich für die Nacht bei sich unter.

Durch den heftigen Niederschlag, der auf der Höhe des nächsten Passes niedergegangen war, war die Straße über die Berge am nächsten Tag blockiert. Der Wind blies außerdem immer noch mit 6-7 Windstärken aus Südwest. Damit musste ich mir die Route über Eqlid in die Berge aus dem Kopf schlagen und notgedrungen über die Hauptstraße weiter nach Shiraz.
Diese Strecke führte über einen weiteren Pass von 2600 Metern und eine sehr unangenehme Hochebene, über die der Gegenwind mit ungebremster Kraft wüten kann. Hinzu kam dann Regen, der in höheren Lagen zu Schneeregen überging. Das war auf dem Fahrrad eine schlimme Plackerei.

Zwei Trucks kombiniert spart Sprit.

Aufgrund des Windes war ich ganz schön fertig. Jeder Tag war eine große körperliche wie mentale Herausforderung. Hupende LKWs und gut gemeinte, aber immer gleiche Konversationen mit den neugierigen Iranern (“Where are you from? Germany? Germany good! Good bye!”) halfen dabei nicht.

Zu allem Überfluss fiel mir an einem Abend auf, dass ich in Eqlid meinen Pulli vergessen hatte. So musste ich nochmal zurück. Wo es doch schon so langsam voran ging! Die Strecke bin ich getrampt. Unter anderem mit diesem Trucker. So konnte ich ein wenig Zeit verstreichen lassen damit der Wind weniger wird.

Der Wind wollte aber einfach nicht abnehmen. Gegenwind macht einem beim Radeln leider wirklich alles kaputt. Das Fahren auf einer Ebene ist schwer, die Fahrt bergauf wird noch schwieriger und sogar bei der süßen Belohnung für das schwierige Klettern bergauf, der Abfahrt, wird man völlig ausgebremst.

So sah ich dann nach fünf Tagen Gegenwind aus. Ganz mürbe war ich. Im Hintergrund das Grab des Cyrus des Großen in Pasargadae.

Ab Pasargadae stieß ich in das Herzland des alten Persischen Königreichs vor. Auch 2500 Jahre nach Zerfall dieses Reiches kann man verstehen, warum sie diese Gegend erwählt haben. Die weiten grünen Ebenen, begrenzt durch steil aufragende Felsenwände sind wunderschön anzusehen.

Das Wetter wollte nun endlich besser werden. Der Wind war zwar immer noch frisch, aber nahm langsam in seiner Stärke ab. Was für eine Erleichterung.

Das Fahrrad auf einem Feldweg auf so einer Ebene.

Auf dem Weg lagen nun die Felsengräber von Naqsh-e Rostam. Dort haben sich große Namen wie Xerxes (ja, der aus dem Film ‘300’) und Darius riesige Felsengräber zum Denkmal gesetzt.

Größenverhältnisse in Naqsh-e Rostam.

Insgesamt liegen dort in der Felswand vier ehemalige Herrscher begraben.

Nicht weit von Naqsh-e Rostam liegt Persepolis, die geheime Prunkhauptstadt des Persischen Reiches. Es ist unglaublich, wie gut diese Ruinen erhalten sind, da sie für Jahrhunderte unter Staub begraben lagen. Es ist schwer, sich nicht davon beeindrucken zu lassen. Fotos habe ich keine gemacht. Ich habe einfach geschaut und gestaunt.
Trotzdem musste ich an die Zypresse in Abarquh denken: Als das Persische Reich zu seinem höchsten Glanz kam, war dieser Baum bereits 1500 Jahre alt. Der Baum steht heute noch.

Jetzt waren es nur noch 50 km bis Shiraz. Diese ging es an einer viel befahrenen Autobahn entlang, wo ein Kuriosum zu sehen war.

Tradition trifft Moderne: Eine Ziegenherde auf der Autobahn. Solcherlei Szenen finden sich oft im Iran.

Endlich war ich da. Die Fahrt nach Shiraz hatte wegen dem Wetter (und meiner Vergesslichkeit) vier Tage länger gedauert als geplant. So ist das eben auf dem Fahrrad. Man lernt sich damit abzufinden.

In Shiraz konnte ich mich nun endlich ausruhen. Es ist die Stadt der persischen Dichter. Das Weimar Iran’s. Nur charmanter. Davon mehr im nächsten Post.

Alles Gute bis dahin,
euer Johannes Bondzio

Feb 082012
 

Ben und ich hatten eine lustige Busfahrt nach Teheran rein. Wir saßen in einem Schulbus mit lauter Iranischen Studenten und Studentinnen, die sich lachend über diese beiden schmutzigen und riechenden Europäer da lustig machten (Wir hatten seit Tabriz nicht mehr geduscht). Wir wurden aber bald Freunde und man half uns sich in Teheran zu orientieren.
Auf der Fahrt wurde ich daran erinnert, dass Teheran eine der verschmutztesten Städte der Welt ist. Im Norden der Stadt befinden sich die schneebedeckten Gipfel des Alborz-Gebirges. Auf der Fahrt in die Stadt hinein verschwanden diese mehr und mehr in einem klebrig-gelben Sirup aus Smog. Da war ich froh, dass ich diese Radelei meinen Lungen erspart habe.
In Teheran trennten sich die Wege von Ben und mir. Ben würde jetzt den Marathon durch die ‘Stan’-Botschaften auf sich nehmen. Er fährt weiter Richtung Turkmenistan, Usbekistan etc. Bei dieser Jahreszeit sicher keine leichte Aufgabe!
Ich wurde am Busbahnhof von Mona und Rosa abgeholt. Jenen beiden Mädels, die ich schon in Istanbul bei der Lea kennen gelernt hatte. Sie würden mich für die nächste Woche bei Verwandten unterbringen. Erste Station war der Bruder Mehran der Mona, der mit seiner Frau Shamin in einem Vorort Teherans lebte.

Mein erster voller Tag in Iran war ein Feiertag. Wir verbrachten diesen Tag ganz nach Teheraner Manier auf dem Berg Darband noerdlich der Stadt.

Oben auf Mt. Darband, eine Oase der Ruhe weit weg von dieser hektischen Stadt.

Tags darauf ging es zum Basar Chomeini. Er ist der geschäftigste seiner Art in Iran.

Die Händler des Basars, die sog. 'Bazaris'. Sie sind gemeinhin konservativ, reich und bilden eine große politische Macht im Iran.

Mona im Teppichbasar.

Das Herumtrudeln im Mahlstrom des Basars macht hungrig! Zum Glück gibt es in seinem Zentrum ein super Restaurant zu vernünftigen Preisen. Mona und Rosa mochten ihr Mahl.

Die iranische Küche war ausgezeichnet. Es gab Tachtschin (angesetzter Bodenreis) mit Hühnchen und Joghurt.

Mona und Rosa gehören den Bahai an, einer religiösen Minderheit im Iran. Seit der Revolution 1979 werden sie vom Regime der Mullahs mehr und mehr diskriminiert. Sie dürfen zum Beispiel sich nicht versammeln, Männer können nur in Nichtregierungsunternehmen arbeiten (Frauen dürfen überhaupt nicht arbeiten) und der Zugang zu Universitäten ist ihnen verwehrt. Dies bewegt viele Bahai dazu zu emigrieren. So auch die Familie der Tante der Rosa.
Als Abschiedsgeschenk will die Familie der Rosa ihnen eine Digitalkamera überreichen. Bei der Auswahl der Kamera durfte ich dabei sein.

Auswahl eines Abschiedsgeschenks.

In dem Geschäft sprach mich dieser Mann an. Er war früher ein Schauspieler, und hatte sein kleines Portfolio mit seinen Rollen dabei. Stolz zeigte er mir diese über dreißig Jahre alten Fotos. Manche Menschen verlieren sich in ihrer Vergangenheit.

War in Istanbul der Islam wirklich schön, zeigt sich im Iran was geschieht, wenn sich Religion und Macht paaren.

Jeder Bus ist in zwei Teile unterteilt. Vorne sitzen die Männer, hinten die Frauen. Wie in einer Zwei-Klassen-Gesellschaft.

Ich hätte kein Problem mit dieser Politik, wenn ich nicht Tag für Tag erleben müßte, dass dies alles den Menschen aufgezwungen wird. So läuft die Mehrzahl der Frauen auf der Straße mit einem Tschador (schwarzes Tuch von Kopf bis Fuß) herum. Daheim bei sich wird es jedoch von den meisten erleichtert abgelegt, und nur wenn fremde Männer im Haus sind, muss es wieder getragen werden. Da es also nicht freiwillig getragen wird, ist es für mich ein Symbol der Unfreiheit.
Aber die Menschen im Iran sind nicht dumm. Sie haben aus den willkürlichen und z.T. widersprüchlichen Ge- und Verboten der Mullahs längst verstanden, wie es um ihr Land steht. So sind Satellitenschüsseln laut den Mullahs ‘haram’, verboten. Praktisch jeder Haushalt hat jedoch eine, und empfängt damit die persischen Sendungen aus dem Ausland. Derer gibt es viele. Besonders beliebt ist der BBC auf Persisch.

Wie oben angemerkt, ist des den Bahai verboten die staatlichen Universitäten zu besuchen. Sie haben deshalb unter sich ein Bildungssystem erschaffen. Sie treffen sich privat und funktionieren Wohnzimmer zu Seminarräume um. Ein jeder lernt und lehrt gleichzeitig. Dies ist nicht ohne Risiko. Einige dieser Lehrer sind wegen ihrer Tätigkeit bereits verhaftet worden und verbringen lange Jahre im Gefängnis.

Dies ist die Architekturklasse der Mona und Rosa. Sie sind eng mit dem alten Architekturprofessor befreundet. Er lud uns zu sich zum Abendessen ein.

Als Gast aus einem fernen Land wurde ich vom Gastgeber zu einer Partie Backgammon eingeladen. Er ist ein Meister in diesem Spiel.

Die Architekturstudenten bildet eine enge Clique, vereint in ihrem Dasein als Bahai. Sie sind etwa 10-15 Leute in ihrem Semester. Die perfekte Zahl um 'Mafia', eine Variante des Spiels 'Werwolf' zu spielen. Die Karten symbolisieren die Rolle, die man in diesem Spiel in der jeweiligen Rund innehat.

Freitag ist der muslimischer Ruhetag. An diesem Tag wird im Zentrum Teherans ein großes Parkhaus zu einem riesigen Flohmarkt umgewandelt. Ganz Teheran scheint sich dort an diesem Tag zu versammeln. Ein großer Spaß.

Shamin sucht ihren Mehran vor dem Basar.

Mehran, mit 1.90m ein Riese unter den Iranern, behielt auf dem Basar immer die Uebersicht.

Mona (rote Haare) hat alle Sachen ausprobiert.

Es gab tatsächlich viel zu sehen.

Nach einer Weile wunken mich meine Freunde heran. Dieser Mann sei Deutscher. Ich sprach ihn an. Er lebt seit drei Jahren mit seiner Iranischen Frau in dieser Stadt. Er importiert günstig alte Sachen aus Deutschland, die er auf diesem Flohmarkt teuer verkauft. Er hat hier eine Monopolstellung und da die Iraner von Deutschland träumen als sei es das gelobte Land, reissen sie ihm hier die Ware aus den Händen. Der Deutsche Traum verkauft sich.

Die Ausgehmöglichkeiten in dieser Millionenstadt sind sehr begrenzt. Aufgrund der muslimischen Führung gibt es kein Nachtleben und die letzte Bahn fährt um 22.30 Uhr. Da trifft man sich Abends halt auf einen Tee und plaudert. Das ist aufgrund der Geistreichtums der Iraner jedoch nie langweilig.

Eine typische Bäckerei. Genau eine Sorte Brot kommt immer frisch aus dem Ofen und wird von den Leuten gleich packenweise gekauft.

Die folgenden Bilder entstanden an einem Tag, an dem ich auf eigene Faust die Stadt erkundete. Es sind Szenen des Teheraner Alltags, die sich um den Basar abspielten.

Pause eines Lieferanten.

Ein Hinterhof.

Geschäfte in den Hintergassen. Man beachte die allgegenwärtigen Portraits von Chomeini und des jetzigen 'Supreme Leaders' Chameini.

Ununterbrochen werden am Basar die Waren umgeschlagen.

Lesen der Schlagzeilen in Krisenzeiten. In einem Land wie Iran ist es lebensnotwendig ständig auf der Höhe zu sein. Zur Zeit beschäftigt die Leute der Kursverlust des Iranischen Rials.

Der pulsierende Verkehr der Stadt ist in seiner Hektik und Dichte einerseits Ursache des giftigen Smogs der Stadt, andererseits ein faszinierendes Element. Besonders die vielen Motorräder haben mich in ihrem Geschick beeindruckt. Hier sind ein paar Beispiele.

Auf ein Motorrad-Taxi passen zwei...

oder auch drei Personen.

Manchmal werden sie auch einfach als ein Laster auf zwei Rädern benutzt.

Mit der Rosa besuchte ich am nächsten Tag das Iranische Nationalmuseum. Es ist eine interessante Sammlung der Höhepunkte der Iranischen Geschichte. Besonders hat mich in seiner Perfektion dieses alte Gemälde aus Stein beeindruckt.

Persische Hochkultur vor 2500 Jahren.

Nach dem Museum besuchten wir das Haus der Kultur. Es wird von der Regierung gefördert und kontrolliert. Ein Teil der Ausstellung beschäftigte sich mit Iran, und wo das Land in 15 Jahren stehen würde. Hier ein Beispiel:

Soviel zu Atomkraft und Persischer 'Hochkultur' heute.

Am letzten Abend traf ich mich noch einmal mit meinen neuen Freunden. Ich wurde zum Essen von der Großmutter der Familie eingeladen.

Es gab ein herrliches iranisches Essen.

Tags darauf fuhr ich los. Dem wirren Verkehr der Stadt sollte ich bald entkommen. Jede Stadt, auch Teheran, ist irgendwann vorbei, wenn man nur lange genug in eine Richtung radelt. Bei mir dauerte es knapp zwei Stunden. Schneller als gedacht.
Ich fuhr Richtung Süden. Mein Ziel: Esfahan, ehemalige Hauptstadt des Persischen Reiches und eine der Perlen des Irans.

Davon bald mehr, alles Gute,
euer Johannes Bondzio

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